Die "Kanalrebellen" von Köln

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Heftiger Streit um Sanierungskosten

Löchrige Abwasserrohre sind eine Gefahr für das Grundwasser. Deshalb werden in den nächsten Jahren in ganz Deutschland die Abwasserleitungen nach Schäden untersucht. Doch wer trägt die Kosten? Immobilienbesitzer streiten teilweise mit ihren Versicherungsgesellschaften.

Köln, Stadtteil Höhenhaus. Dort wohnen die "Kanalrebellen" aus dem Melissenweg, wie sie sich selbst nennen. Unmut liefert bei den Anwohnern das neue Landeswassergesetz: Im Detail geht es um den Paragrafen 61a, die Durchführung der Dichtheitsprüfung von Abwasserrohren. Betroffen davon sind im Kölner Raum 140.000 private Abwasseranschlüsse.  

"Wir haben bisher 7000 bis 8000 Anschlüsse überprüft. Davon sind 80 bis 90 Prozent defekt", erklärt Roger Schick von den Kölner Stadtentwässerungsbetrieben. Auch fast alle Abwasserrohre in den Reihenhäusern im Melissenweg sind sanierungsbedürftig. Anfang der 60iger Jahre verlegt, haben die Rohre mittlerweile Risse, sind verschoben oder durch Verwurzelungen durchlöchert. Die Gefahr: Verunreinigung des Grundwassers. Daher muss etwas passieren. Nur, wer die anfallenden Kosten übernimmt, ist nicht klar.

Mehrere tausend Euro

Die Prüfung allein kostet schon rund 400 Euro. Inklusive einer Sanierung mit sogenannten Inlinern werden im Schnitt rund 3000 Euro fällig. Erich Pelz, Eigentümer und Wortführer der "Kanalrebell" schildert die Lage: "Die Stadt Köln hat uns aufgefordert, die Sanierung zu übernehmen. Das haben wir auch erledigen lassen, weil wir in dem Glauben waren, dass unsere Wohngebäudeversicherungen zahlt. Das hat sie aber zunächst mündlich und später auch schriftlich abgelehnt."

Damit wollen sich die Eigentümer nicht abfinden. Seit über 40 Jahren zahlen sie in ihre Wohngebäudeversicherungen ein. In den Formulierungen von damals ist der Leistungsumfang auch eindeutig beschrieben: "Als Leitungswasser im Sinne dieser Bedingungen gilt Wasser, das aus den Zu- oder Ableitungsrohren, ... bestimmungswidrig ausgetreten ist." (Allianz-Versicherung)

Sture Versicherungen

Dennoch bleiben die Versicherungsgesellschaften Allianz, Basler und Winterthur stur und wollen die Sanierungskosten nicht zahlen. Als Grund führte die Allianz im Ablehnungsschreiben an: "Durch Ihren Vertrag sind die Ableitungsrohre innerhalb des Gebäudes gegen Bruchschäden versichert. Diese Rohre wurden nicht beschädigt. Der Schaden entstand außerhalb des versicherten Gebäudes. Leider lassen es die Vertragsbedingungen nicht zu, dass wir hierfür eine Entschädigung leisten, da es an den Voraussetzungen für die Ersatzpflicht fehlt." Soll heißen, die Rohre liegen unterhalb der Bodenplatte, gehören nicht zum Haus - und sind damit nicht versichert.

WISO fragt beim Bundesverband der Versicherungsberater nach: Stefan Albers, Präsident des Bundesverbandes erklärt, dass in alten VGB's vor dem Jahr 2000 die Versicherungsbedingungen keinen Unterschied zwischen Rohren unterhalb der Bodenplatte und innerhalb der Fundamente machen. Erst in den neuen Bedingungen gehören Rohre nicht zum Haus wenn sie unter der Bodenplatte verlegt wurden, selbst dann nicht, wenn sie sich innerhalb der Fundamente befinden.  

Also, bei Altverträgen mit Versicherungsbedingungen vor dem Jahr 2000 müssen die Gesellschaften zahlen. Doch erst nachdem sich WISO eingeschaltet hat, überreichte die Allianz Erich Pelz einen Scheck von rund 3600 Euro. Warum nicht gleich so!? Besser wäre es, wenn Versicherungen ihr eigenes "Kleingedrucktes" besser kennen würden.