Regenwasser wird zum Kostenfaktor

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Stadtentwässerung prüft neue Abwassergebühr - Naturschützer begrüßen Veränderung der Berechnungsgrundlage

Bislang ist die Menge des verbrauchten Frischwassers für die Abwassergebühren entscheidend. Bald soll auch die versiegelte Fläche eine Rolle spielen.

Frankfurter Westen. Künftig sollen auch in Frankfurt all jene stärker zur Kasse gebeten werden, die großflächig versiegelte Grundstücke haben, so dass bei Niederschlag große Wassermengen in die Kanalisation gelangen. In vielen deutschen Städten, auch in Kommunen im Main-Taunus-Kreis, werden bereits Frischwasser und Abwasser getrennt abgerechnet. In Frankfurt gibt es hingegen noch die Einheitsabwassergebühr, die sich nach dem Frischwasserverbrauch richtet. Hier interessiert den Verbraucher also vor allem die Frage, wie viel Wasser läuft aus dem Hahn oder durch die Spülung.

Neues Konzept

Doch diese Berechnung gilt nach Expertenmeinung schon seit einigen Jahren in der Rechtsprechung nicht mehr als verursachergemäß. Denn wegen der großen Wassermengen, die bei der Mischwasserentsorgung in das Kanalsystem gelangen, werden Investitionen in Regenüberläufe und Rückhaltevorrichtungen erforderlich. Doch die Groß- und Baumärkte auf der grünen Wiese mit ihren großen versiegelten Parkplätzen wurden bisher nicht an diesen Kosten beteiligt, die das Oberflächenwasser verursacht. Ihnen wurde nur entsprechend des Frischwassers, das sie verbrauchten, die Rechnung gestellt.

Auch 2010 und 2011 wird es bei dieser Praxis bleiben, sagt Ernst Appel, kaufmännischer Betriebsleiter der Stadtentwässerung Frankfurt (SEF). Doch: «Der Umstieg wird konzipiert.» Vermutlich könnte dann von 2012 an das neue Modell gelten, vorausgesetzt, die städtischen Gremien beschließen dies.

Derweil würden die Zahlen analysiert, die Flächen erhoben und die Kosten berechnet, um dann die neuen Gebühren ermitteln zu können. Für die SEF bedeutet das viel Arbeit, wenngleich sich unter dem Strich nichts ändern darf, denn sie darf lediglich Gebühren erheben, das heißt, kostendeckend arbeiten. Für die SEF wird die ganze Angelegenheit aufwendungsneutral bleiben. «Wir müssen so oder so die Kosten decken. Uns geht es nur um eine andere Verteilung, es ist der Versuch, diese gerechter zu gestalten», sagt Appel. Einfluss auf eine mögliche Gebührenerhöhung hat die neue Aufteilung demnach nicht.

Gewinner und Verlierer

Dennoch wird es Gewinner und Verlierer geben: Profitieren werden nach Einschätzung des Betriebsleiters all jene, die einen hohen Schmutzwasseranteil haben. Draufzahlen werden die Besitzer großer, versiegelter Areale. «Für die Masse der Gebührenzahler wird es keine großen Änderungen geben», ist sich Appel sicher. Zumal die Abschätzung der Gebühren geplant ist, bevor die politischen Gremien überhaupt erst über die Änderung der Abwassersatzung entscheiden.

Hausherren, Grundstücksbesitzer und Unternehmen sind indes gut beraten, sich schon jetzt Gedanken über die Veränderungen zu machen. Denn sie können künftig mittels alternativer Oberflächenwasserentsorgung (zum Beispiel durch Flächen, auf denen das Wasser versichern kann), oder durch eine intelligente Grauwassernutzung (Einsatz von Regenwasser für die Toilettenspülung, das Wäschewaschen und die Gartenbewässerung) bares Geld sparen.

Der Höchster Richard Schmidt, Sprecher des Arbeitskreises Wasser des Bundes Umwelt und Naturschutz (BUND), begrüßt jedenfalls alle Maßnahmen, die dazu geeignet sind, die Bürger zu animieren, Regenwasser versickern zu lassen. Erst kürzlich hatte er in seinem Jahresbericht die großflächige Versiegelung des Vorplatzes des neuen Bildungs- und Kulturzentrums (Bikuz) kritisiert.

Übrigens: Obwohl der Industriepark Höchst mit seinen 460 Hektar eine riesige Fläche darstellt, ist es der Betreibergesellschaft Infraserv ob der in Aussicht gestellten Neuregelung des Abwasserordnung nicht bang. Denn der Industriepark ist nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossen. Vielmehr entsorgt man dort seit Mitte der 90er Jahr alle Abwässer über eine zentrale Kläranlage. Für das Regenwasser gibt es nach Auskunft einer Unternehmenssprecherin ein eigenes Rückhaltesystem.

Auch für andere gewerbliche und die privaten Nutzer wird künftig die Frage entscheidend sein: «Wohin fließt mein Wasser?»

Quelle: Höchster Kreisblatt