Urteil vom 16.03.2010: Abflussrohr ist nicht gleich Abflussrohr!

Druckversion

Wer für seine Immobilie eine Gebäudeversicherung abschließt, sollte den Versicherungsvertrag genau lesen und auch auf den Wortlaut der Allgemeinen Versicherungsbedingungen achten. Denn die Klauseln können ausschlaggebend dafür sein, wann der Gebäudeversicherer für die Schadenskosten aufkommen muss. Das zeigt ein Fall, der vor dem Landgericht Coburg (Landgericht Coburg, Urteil v. 16.03.2010, Az.: 23 O 786/09) verhandelt wurde:

Am Haus war die Dachrinne übergelaufen. Bei einer Inspektion stellte eine Fachfirma fest, dass das außen am Gebäude verlaufende Regenwasserrohr gebrochen war. Da die Eigentümer für das Gebäude eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen hatten, verlangten sie von der Versicherung Ersatz der Kosten für die Rohrinspektion sowie die Reparaturkosten für das defekte Rohr von insgesamt 8.700 €.

Doch der Versicherer weigerte sich den Betrag zu bezahlen. Das Landgericht Coburg gab der Versicherung recht. Zwar fallen Bruchschäden an Rohrleitungen grundsätzlich in den Bereich der Wohngebäudeversicherung (in der Regel unter dem Begriff Leitungswasser bzw. Leitungswasserschaden). Nach den Allgemeinen Versicherungsbedingungen gilt das für Rohre, die außerhalb des Gebäudes verlaufen, aber nur, wenn sie auf dem Versicherungsgrundstück verlaufen und der Wasserversorgung des versicherten Gebäudes dienen. Da im entschiedenen Fall über das defekte Rohr ausschließlich Regenwasser, aber kein häusliches Abwasser entsorgt wurde, war nach Ansicht der Richter der Rohrbruchschaden nicht vom Versicherungsschutz umfasst.

Die Frage, inwieweit Versicherungsschutz besteht, wenn Schäden an Rohren außerhalb des versicherten Gebäudes eintreten, hat schon mehrfach die Gerichte beschäftigt. So hat beispielsweise der Bundesgerichtshof bereits vor einiger Zeit entschieden, dass Ableitungsrohre der Wasserversorgung, die unterhalb des Kellerbodens zwischen den Fundamentmauern verlaufen, im Sinne der Allgemeinen Versicherungsbedingungen als Rohre innerhalb des Gebäudes anzusehen sind (Urteil vom 25.03.1998, Az. : IV ZR 137/97).

Um unliebsame Überraschungen im Schadensfalle vorzubeugen, stehen wir Ihnen als Fachfirma bei der Schadensregulierung zur Seite. Gerne übernehmen wir vor Auftragsausführung die Kommunikation mit Ihrer Gebäudeversicherung und bringen somit in Erfahrung, welche Kosten im Versicherungsfall gedeckt sein müssten.

Kleiner Tipp: Es kann sich anbieten, Rohrbruchschäden an Ableitungsrohren außerhalb des versicherten Gebäudes durch eine einzelvertragliche Regelung mit der Versicherung in den Versicherungsschutz einzubeziehen.