Versicherungen gegen Flut und Sturm

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Orkane, Starkregen, stürzende Bäume und Überschwemmungen können für viele Haushalte ein finanzielles Fiasko bedeuten. Eigenheimbesitzer stehen dann nicht selten vor dem Ruin, weil sie nicht oder nicht richtig versichert waren. Nur wenige Hausbesitzer treffen rechtzeitig Vorsorge, obwohl ein "Gesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes" künftig jede Person im Rahmen des Möglichen verpflichtet, geeignete Vorsorge gegen Hochwasserschäden zu treffen.

Zwar sind viele Elbanwohner beispielsweise gut gegen Hochwasser versichert. "Doch bei der nächsten Sturmflut gibt es kein Geld", sagt Bianca Höwe vom Bund der Versicherten e.V. "Menschen, die nah an Wasser wohnen, sind immer der Gefahr von Sturmfluten ausgesetzt. Jedoch sichert keine Versicherung, nicht einmal die Elementarschadenversicherung, Sturmfluten ab."

Was deckt die Hausratversicherung ab?

In der Hausratversicherung sind nur Schäden versichert, die innerhalb eines geschlossenen Gebäudes passieren. Die Hausratversicherung kommt dann für Schäden durch Feuer, Leitungswasser und Hagel sowie durch Einbruchdiebstahl, Vandalismus und Sturm auf. Aber erst ab Windstärke acht. Versichert ist der komplette Hausrat von Möbeln, Gardinen, Wäsche, Schrankinventar bis hin zu Elektrogeräten, Musikinstrumenten und Sportgeräten. Außen angebrachte Satellitenschüsseln und Markisen gehören zum Hausrat und sind automatisch mitversichert. Gegen Hochwasser lässt sich der Hausrat meist nur noch versichern, wenn in den letzten fünf bis zehn Jahren kein Schaden durch Hochwasser beim Versicherungsnehmer entstand.

Die Wohngebäudeversicherung

Die Wohngebäudeversicherung ist normalerweise für Schäden am Gebäude zuständig - inklusive aller fest eingebauten Gegenstände. Einige Objekte, die man eigentlich nicht direkt dem Gebäude zurechnet, wie ein Carport, sind hier gleich mitversichert. Auch Schäden, die abknickende Bäume anrichten, zahlt die Wohngebäudeversicherung. "Kommt durch das eingedrückte Dach auch noch Regen in das Haus und beschädigt die Möbel, übernimmt die Hausratversicherung den Schaden. Fällt der Baum aber auf das Grundstück des Nachbarn, zahlt die Privathaftpflichtversicherung", sagt Bianca Höwe. Jedoch nur dann, wenn dem Hausbesitzer ein Verschulden nachgewiesen werden kann, weil er die Bäume nicht regelmäßig kontrolliert hat. Eine regelmäßige Bauminspektion ist also sehr empfehlenswert, da dann im Schadensfall der Nachbar seine Versicherung in Anspruch nehmen muss.

Was sind Elementarschäden?

Für Schäden durch Starkregen, Überschwemmung oder Schneelast muss eine zusätzliche Versicherung, eine Elementarschadenversicherung, abgeschlossen werden. Diese Versicherung deckt Schäden ab, die durch Überschwemmung, Hochwasser, Erdbeben, Schneedruck oder Lawinen entstehen. Einige Versicherer schließen auch Schäden durch einen Rückstau ein, allerdings nur, wenn eine funktionierende Rückstauklappe eingebaut ist.

Aber nicht jeder, der sich gegen Elementarschäden versichern will, bekommt auch eine entsprechende Versicherung. Bianca Höwe sieht da ein Problem. "In den letzten Jahren haben die Hochwasserschäden extrem zugenommen, und Personen, die in einem Risikogebiet wohnen, bekommen überhaupt keinen Versicherungsschutz mehr." Um das Risiko eines Schadensfalls abschätzen zu können, wird bei Neuverträgen genau geprüft, ob der Kunde in einem Hochwasser gefährdeten Gebiet wohnt.

Mit dem Computerprogramm ZÜRS (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen), welches allen Versicherungen zugänglich ist, wird bis auf die Straße und Hausnummer exakt bestimmt, welche Gefährdungsklasse der Antragsteller hat: von eins (unbedenklich) bis vier (hohes Risiko). Nur wer in den Klassen eins und zwei eingestuft wird, hat eine Chance, versichert zu werden. Bekommt die eigene Hausnummer die Klasse drei, wird ein Vertragsabschluss beinahe unmöglich.

Der Bund der Versicherten fordert daher, Betroffene vor dem finanziellen Ruin zu schützen, indem eine Pflichtversicherung eingeführt wird. So sollte jeder Bundesbürger, egal ob er von Schäden getroffen werden kann oder nicht, einen bestimmten Betrag zahlen. Aus diesem Topf sollten dann im Schadensfall Betroffene das Geld erhalten.

Nach Angaben der Versicherer fallen noch über 80 Prozent der bebauten Fläche in die Gefährdungsklasse eins. Dort sind Gebäude also noch versicherbar. Versicherungsschutz besteht aber weder in der Hausrat-, Wohngebäude- und Elementarschadenversicherung, wenn das Gebäude neu gebaut wurde und leer steht oder wenn ein Gebäude wegen Umbauten nicht bezugsfertig ist.

Selbstverständlich hat der Versicherungsnehmer in allen Fällen eine sogenannte Schadenminderungspflicht. Das heißt, er muss alle notwendigen und zumutbaren Vorkehrungen treffen, um Elementarschäden zu vermeiden oder einzudämmen. Sonst geht er unter Umständen im Schadensfall auch mit Versicherung leer aus.