Wenn die große Flut kommt - Hochwasserschutz

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Sintflutartige Regenfälle und Unwetter bedrohen immer häufiger - auch in nicht hochwassergefährdeten Gebieten - Gebäude mit Überflutungen. Meist werden die Hausbesitzer von der großen Flut überrascht. Nur wenige haben sich rechtzeitig darauf vorbereitet, obwohl bereits ein 2005 verabschiedetes "Gesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes" künftig jede Person im Rahmen des Möglichen verpflichtet, geeignete Vorsorge gegen Hochwasserschäden zu treffen.

Das eindringnde Wasser gefährdet zwar nicht gleich die Standsicherheit eines Gebäudes. Die nachhaltigen Schäden und deren materielle Folgen seien jedoch oft sehr groß, sagt der Versicherungsfachmann Stefan Rothaug. Außerdem kann es Probleme beim Abschluss einer Hausratversicherung geben, wenn bereits ein Schaden durch Hochwasser vorlag. "Hatte man einen Schaden in den letzten fünf bis zehn Jahren gehabt", gibt Rothaug zu bedenken, "prüft die Gesellschaft genau und wird wahrscheinlich den Versicherungsschutz ablehnen." Bei Gebäudeversicherungen ist es nach Aussage des Versicherungsfachmanns noch schwieriger, in gefährdeten Gebieten sogar fast unmöglich. Entsprechende Vorsorge ist also notwendig.

Wie kann man sich schützen?

Sandsäcke können selbst bei Oberflächenwasser mit geringen Wasserständen nur bedingt helfen. Es wird immer Wasser durchsickern und in den Keller oder ins Haus laufen. Behelfsdichtungen, also Abschottungen für Fenster und Türen aus Schalbrettern oder flächige Holzplatten, die von außen befestigt und mit Bauschaum abgedichtet werden, verlieren ihre Stabilität und damit ihre Statik durch den hohen Wasserdruck, wenn sich das Holz mit der Zeit vollsaugt und aufquillt. Außerdem muss der Bauschaum nachher wieder vom Mauerwerk gekratzt werden.

Wenn die Flut kommt, ist die Zeit knapp. Deshalb ist auch das Zumauern von Türen und Fenstern nicht immer hilfreich. Mörtel braucht einige Zeit, bis er völlig trocken ist. Mauern halten dem Wasserdruck nur Stand, wenn der Mörtel gut getrocknet ist. Zudem müssen Steine nicht nur geschichtet, sondern mit Mauerankern an der Türlaibung der Hauswand verankert werden.

"Alles mühsam und wenig Erfolg versprechend", meint Dipl.Ing. Johannes Hilmer vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz. "Besser geeignet als Sandsäcke sind selbstverständlich Platten, die dann auch flächig dicht sind. Holz kann aber nicht lange dem Wasser ausgesetzt werden, weil es aufquillt und dann die statischen Eigenschaften verliert", meint Hilmer. Das Hochwasser kommt oft schneller, als Holzplatten befestigt sind, Bauschaum aushärtet und Mörtel abtrocknen kann. Der Hochwasserschutz-Experte rät daher zu Alu-oder Stahlabdichtungen.

Schutz aus Stahl und Alu

Aluminiumplatten, zum Beispiel mit Magneten und Dichtungsprofilen, werden in eine vormontierte Halterung eingesetzt. Sie sind schnell und einfach anzubringen, halten dem Wasserdruck über eine lange Zeit stand, quellen nicht auf wie Holz und können daher immer wieder verwendet werden. Nach der Flut wird die Platte abgehebelt und verstaut. Kellerfenster mit festem Lichtschacht, die sich von außen nicht oder nur schwer sichern lassen, können so auch von innen wasserdicht abgesperrt werden.

Mit solchen oder ähnlichen Alu-Systemen lassen sich auch Garagen- oder Toreinfahrten absperren. Das hat allerdings seinen Preis. Rund 900 Euro pro Quadratmeter verlangt allein der Hersteller der Magnetsysteme inklusive Montage. Eine Alternative dazu sind flexible Dammbalkensysteme aus Stahl. Von den Anschaffungskosten sind sie ähnlich teuer wie die Alusysteme. Für Abschottungen ab zwei Meter Breite halten sie dem hohen Wasserdruck sehr gut stand. Und sie sind in der Breite und Höhe variabel.

Vorsicht bei Maueröffnungen

Weitere Schwachstellen am Haus, durch die das Wasser eindringen kann, sind die kleinen Lüftungsschlitze im Verblendmauerwerk, wenn sie nicht mit Silikon oder Bauschaum dicht gemacht werden. Hier sickert Wasser durch die Schlitze hinter die Mauerschale und schädigt die Wärmedämmung für viele Monate.

"Die Lüftungsschlitze im Mauerwerk müssen dicht gemacht werden, am besten mit Silikon oder mit Bauschaum, um zu verhindern, dass Wasser in dieses Mauerwerk oder hinter die erste Schicht des Mauerwerks eindringt und die Wärmedämmung damit verdirbt, die dann auf Monate unbrauchbar wäre. Auch durch feine Risse im Vormauerziegel kann Wasser eindringen, und man sollte die mit Silikon dicht machen. Das bedeutet allerdings auch, dass man das Mauerwerk sehr genau unter die Lupe nimmt, um solche Risse überhaupt zu erkennen", rät der Hochwasserschutz-Experte Hilmer. Saugende Mineralwolle ist bei der Außendämmung deshalb nicht sehr hochwasserfreundlich.

Gefährlicher Rückstau

Aber nicht nur von außen, sondern auch durch die Kanalisation drückt das Wasser bei Hochwasser ins Haus. In gefährdeten Häusern sollten daher Rückstauklappen oder Abwasserhebeanlagen eingebaut werden.
In Hochwasser gefährdeten Gebieten sollte die Heizungsanlage im Obergeschoss installiert werden. Besonders kritisch ist es, wenn der Öltank sich im Keller befindet. Der Tank muss mit Halterungen gegen Aufschwimmen gesichert sein. Notfalls kann er mit Wasser gefüllt werden, um so das nötige Gewicht zu erzeugen. Die spätere Trennung von Wasser und Heizöl ist immer noch preiswerter, als die Schäden durch austretendes Heizöl zu begleichen. Auch der Brenner in Öl- und Gasheizungen und die Heizungselektronik sollten vom Fachmann vorsorglich ausgebaut werden.

Sind Schalter und Steckdosen im Keller möglichst hoch angebracht und ist der Kellerstrom an der Verteilung abschaltbar, besteht beim Durchwaten des überfluteten Kellers keine akute Lebensgefahr.

Ein angehender Bauherr kann sich viele der nachträglich zu installierenden Hochwasserschutz-Einrichtungen sparen. So empfiehlt der Hochwasserschutz-Experte, bei einem Neubau auf den Keller zu verzichten und das Haus oder den Baugrund gleich gut einen Meter höher zu setzen.

Weitere Informationen

Weitere Information erhalten Sie durch die kostenlose Broschüre "Hochwasserschutzfibel". Die steht als pdf-Dokument zum Download bereit oder kann bestellt werden über Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Bürgerservice E-Mail: Email Schreiben